Willkommen in Kleinmachnow
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Blick ins Leben mit antiken Kameras und neuen Ideen

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Künstlerin
Andrea Grote
Telefon:03 32 03/8 08 90
Website:www.andreagrote.de

Zeit in Bild und Skulptur

Stand: November 2018

Die Zeit hat viele Facetten. Eine davon ist im Jetset-Paradies Davos in der Schweiz zu bestaunen.

Dort findet sich eine viel­beachtete Glas­skulptur von Andrea Grote aus Kleinmachnow. Das Kunstwerk stand erst vor dem Eingang vom weltberühmten „Kirchner-Museum“, das mit vielen Werken des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner über­regionale Bedeutung hat. Der Maler hatte von 1917 bis zu seinem Freitod 1938 in dem schweizer Kurort gelebt. Nun ist die Skulptur von Andrea Grote auf dem „Kulturpfad“ in der Alpen­stadt zu bewundern.

Zeit für die Zeit
Andrea Grote nimmt sich immer wieder viel Zeit, um der Zeit und dem, was sie „anstellt“, auf die Schliche zu kommen. Dafür hat sie sich von ihrem ursprünglichen Metier, der Malerei, ziemlich entfernt. Statt mit Pinsel und Palette ist sie nun sehr häufig mit antiken doppeläugigen Spiegel­reflexkameras unterwegs, um Rollfilme wie in der guten alten Zeit zu belichten. „Dabei bevorzuge ich das quadratische Format 6 mal 6 Zentimeter“, verrät sie Details. Ihr geht es aber nicht um den Nostalgie-Effekt. Sie hält auf diese Weise die Veränderung, die die Zeit in ihrem Verlauf mit sich bringt, fest. „Ich mache Mehrfachbelichtungen, oft bis zu sechs übereinander. Damit werden Bilder von dem exakt gleichen Motiv aus der identischen Perspektive über­einander gelegt. Diese Fotos sind dann oft die Grundlage, um sie in dreidimensionalen Werken weiterzuführen“, schildert sie ihren Schaffensprozess.

Zufall als Kunstform
„Durch diese Technik entstehen Werke wie bei der Malerei, wo man oft ebenfalls nicht von vorne herein genau weiß, wie das Bild am Ende aussehen wird. Meine Fotos haben ebenso eine Eigendynamik. Erst nach dem Entwickeln der Filme sehe ich das Ergebnis auf den Papierabzügen.“ Sie verweist auf weitere Parallelen zur Malerei: „Dort trägt man ja Schicht für Schicht Farbe auf. Meine Fotografien haben ebenfalls mehrere Ebenen“, erklärt sie.

International gefragt
Ihre Bilder sind oftmals in Ausstellungen zu sehen. Manchmal entwickelt sie Andrea Grote weiter zu Skulpturen. Dafür verwendet sie Glas als Medium. Damit arbeitet sie besonders gerne auf Bildhauer­Symposien. So war sie auf der „aquamediale 12“ in Lübben, auf der „Spektrale 7“ in Luckau und in Bad Schlema. Bereits 1990 konnte sie die Kunstwelt auf sich aufmerksam machen. Sie gewann damals den inter­nationalen Wettbewerb „oltre il muro – Über die Mauer hinaus“. In der Folge erhielt sie eines der sehr begehrten Stipendien an der französischen Elite-Universität „Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts“ in Paris.
Aktuell wurde sie eingeladen, sich beim Wettbewerb für das Gedenkzeichen für die jüdischen Häftlinge des Frauen-Konzentrations­lagers Ravensbrück im branden­burgischen Städtchen Fürstenberg zu beteiligen.

Transparente Kunst
Ihr Material Glas ist in der Bildhauerei eher selten. In dieses ritzt sie ihre Entwürfe ein. „Dabei darf kein Fehler passieren, weil man ja nicht korrigieren kann“, beschreibt sie eine wichtige Besonderheit. Trotz hoher Anerkennung im Wintersport-Paradies Davos hat Andrea Grote ihre ursprüngliche Begeisterung fürs Skifahren abgelegt: „Als Kind hat mir das viel Spaß gemacht, schließlich ist meine Mutter Österreicherin. So komme ich öfter nach Kitzbühel. Was ich dort sehe, schockiert mich immer mehr: Da wird Schnee in meterhohen Bergen konserviert, die die Landschaft verunstalten. Einziger Zweck ist, einen Vorrat zu erzeugen, mit dem man bereits im Herbst Pisten erstellen kann. Man legt Wasserreservoire an, aus denen mit viel Energie durch Schneekanonen Wintersport witterungs­unabhängig möglich wird. Hier geht es nicht mehr um Freizeitvergnügen sondern um knallhartes Geschäft zu Lasten der Umwelt.“

Umwelt im Visier
Die Kritik an der Umwelt­zerstörung ist ein Thema, das sich immer mehr durch ihre Werke zieht. Dies gilt ebenso für Installationen. So macht sie durch ihre realisierte Installation „o.T. (change)“ 2017 in Lübben aufmerksam, dass in Spanien große Landstriche mit Gewächshäusern dicht an dicht überzogen sind. „Das ist ein furchtbarer Frevel an der Landschaft. Der einzige Zweck ist Profit, da wir heute zu jeder Jahreszeit alle Obst- und Gemüsesorten essen wollen“, nennt sie ihre Ansicht.
Um das Problem zu verdeutlichen, baute sie eine Installation mit einem begehbaren und künstlerisch bearbeiteten Glasgewächshaus auf. „Da es Sommer war, habe ich den gegenteiligen Weg gewählt und dort die Temperatur heruntergekühlt“, beweist Andrea Grote, dass sie sich auf wechselnde Bedingungen flexibler einstellen kann als manch andere.

Der Zeit ein Bild geben
Andrea Grote ist übrigens Kleinmachnowerin mit amerikanischem Pass. „Ich kam 1965 in Lawrence im Nord­osten des Bundesstaats Kansas auf die Welt, weil mein Vater gerade dort arbeitete. Aufgewachsen bin ich aber in der hessischen Universitätsstadt Gießen“, blickt sie zurück.
Gleich nach dem Abitur bekam sie einen Studienplatz an der damaligen „Hochschule der Künste Berlin”, kurz „HdK”. Sie wurde 2001 in „Universität der Künste” umbenannt. Schon früh fand Andrea Grote ihr Thema „Zeit und Veränderung“. Mit dem Anspruch, der „Zeit ein Bild geben“, entdeckte sie die Fotografie mit altem Rollfilm für sich. „Heute wird es zunehmend schwerer, ein Labor zu finden, dass diese Filme noch entwickeln kann“, beschreibt sie, wie es mit der Zeit immer komplizierter wird, die Zeit in ihrem Verlauf einzufangen.

Wunschtraum Kleinmachnow
In Kleinmachnow fand die Familie um Andrea Grote ihre Heimat nach Wunsch.
„Wir hatten hier etliche Bekannte. Die Ruhe, die Idylle, dass hier nicht jeder Gehsteig gleich aussieht, das alles hat uns sicher gemacht, dass wir hierher wollen. Vorher hatten wir in Berlin gelebt“, gibt die Künstlerin Einblick.
Zu ihrem großen Glück gehört zum Grundstück ein massives Gartenhaus. „Darin kann ich perfekt arbeiten.“ Hier freut sie sich immer über Interesse an ihrer spannenden Arbeit.