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Über hundert Mitwirkende: Rekordreife Musical-Inszenierungen vom Kantor

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Musicals
Karsten Seibt
Telefon:03 32 03/60 96 83
E-Mail:seibt@ev-kirche-kleinmachnow.de

Broadway aus Kleinmachnow

Stand: November 2019

Broadway aus Kleinmachnow: Fast so schnell wie auf dem berühmten Theaterboulevard von New York entstehen in der Gemeinde hochkarätige Musicals. Wenn die Produktionen auf Tournee gehen, geschieht dies mit einem Pulk an Bussen und Lkws, wie man es sonst von Top-Bands gewohnt ist.

Während diese aber in der Regel „ganz bescheiden“ im Hotel wohnen, reserviert Karsten Seibt für seine Crew gleich eine komplette Jugendherberge. Schließlich sind die Kleinmachnower mit weit über 100 Personen unterwegs. „Das sind die Kinder und Jugendlichen, die als Schauspieler auf der Bühne tanzen und singen aber ebenso Erwachsene, die für Ton, Technik, Licht sowie für Kulisse und Bühnenbild im Einsatz sind“, erklärt der 59-Jährige, der als Dirigent und Produzent den Takt angibt.

Bühnenerfolg fürs Leben
Was Profis ins Schwitzen bringt, erledigt Seibt „nebenbei“. Denn hauptberuflich ist er Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde. Die Idee mit den Musicals kam ihm, um Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern: „Auf der Bühne können sie sich in unterschiedlichen Rollen erproben, aus sich herausgehen, Grenzen testen, Erfolg und Schwierigkeiten erleben und lernen, damit umzugehen“, erklärt er seinen Ansatz.
Dabei kommt ihm seine eigene breite musikalische Erfahrung zugute: „Ich habe Orchestermusiker, Flöte und Kirchenmusik studiert. Ich war am Theater in Greifswald engagiert und wohnte mit meiner Frau in Rostock. Als wir drei Kinder hatten, war die Wohnung absolut zu klein. Wie in der DDR so üblich, war es schwierig, eine größere zu bekommen. Das brachte uns im September 1990 nach Kleinmachnow.“

Uraufführungen
Hier rief Karsten Seibt ab 1996 Musical-Inszenierungen ins Leben. Den Anfang machte „König Drosselbart“. Dann kam die Idee, Produktionen, die speziell geschrieben wurden, auf die Bühne zu bringen. „Als Textautor konnten wir den Schriftsteller Martin Ahrends gewinnen, der unter anderem für die ‚Zeit’ schrieb“, erinnert er sich. Ahrends wohnte damals in Kleinmachnow, wurde Anfang 2019 aber zum „50. Stadtschreiber“ nach Rheinsberg gerufen.
„Unsere Komponisten waren Bernhard Opitz und Dietrich Lohff“, berichtet Kleinmachnows „Musical-König“ weiter. Auf diese Weise kamen 2003 „Franz von Assisi“, 2005 „Hiob“, 2008 „Martin Luther King“ und 2016 „Katharina von Bora“, die spätere Ehefrau von Reformator Martin Luther, auf die Musical-Bühne. „Alles waren Uraufführungen“, strahlt Karsten Seibt.

Broadway-Atmosphäre
Eine weitere Idee war, Musicals, die sonst nur von größeren Theatern gespielt werden, in Kleinmachnow aufzuführen. Diese Ehre kam 2012 „Anatevka“ und danach „Scrooge“ zuteil. 2019 toppte Kleinmachnow diese Erfolge mit einer Inszenierung von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcat“ der Broadway-Starkomponisten Andrew Lloyd Webber und Tim Rice. Es wurde eine Produktion der Superlative: „Allein an Tantiemen mussten wir 4 000 Euro ausgeben. Die Gesamtproduktion verschlang etwa 25 000 Euro“, gibt der ungewöhnliche Kantor, der mittlerweile rekordverdächtige über zwei Dutzend Musical-Produktionen aus der Taufe gehoben hat, Einblick. „Die Finanzierung ist nur möglich, weil uns der ‚Förderkreis Kirchenmusik’ unter Leitung von Professor Hubertus Welsch sehr unterstützt. Es gibt Zuschüsse von der Gemeinde Kleinmachnow und von der evangelischen Landes­kirche.“

Profis am Regiepult
Für die hohe Qualität stehen professionelle Unterstützer. Dazu gehören die in Kleinmachnow beheimateten Schauspieler Antonia Braun und Bernhard Hanuschik. „Sie führen seit 2003 bei all unseren Inszenierungen Regie“, freut sich Karsten Seibt über die Kontinuität. Schließlich muss er bei den Darstellern, den Chören und Sängern mit viel Wechsel zurecht kommen: „Jugendliche werden älter, ziehen weg, andere rücken nach.“

Überraschung als Programm
Den großen Erfolg von Kleinmachnows Musicalproduktionen macht sicher mit aus, dass es immer eine Überraschung gibt: „Es soll jedes Jahr etwas komplett anderes auf die Bühne kommen. ‚Joseph‘ war sehr poppig, das bedeutet, dass wir jetzt auf keinen Fall ein ähnliches Stück nachfolgen lassen wollen.“ Was nun kommt, ist allerdings erst mal streng geheim. Die Auswahl erfolgt durch einen Kernkreis, zu dem außer ihm und den beiden Regisseuren Ehefrau Katharina Seibt gehört. Sie ist ebenfalls gelernte Kantorin, jetzt aber als Religionslehrerin an Grundschulen in Kleinmachnow tätig.

Kreativer Nachwuchs
Die fünf mittlerweile erwachsenen Kinder haben die kreative Ader übrigens weitgehend mitbekommen.
Sohn Johannes Seibt, 39, ist Tonmeister an der Berliner Staatsoper, Tochter Caroline Seibt, 37, Sopranistin.
Bettina Seibt, 34, ist Modedesignerin, während ihr Bruder Justus Seibt, 30, sich dem IT-Bereich verschrieben hat, der ja durchaus ebenfalls Kreativität abverlangen kann. Das kann man ebenso vom sozialen Bereich sagen, in dem Anna Seibt, 29, als Heilerzieherin tätig ist. Damit kann die Musical-Familie also zuhause auf eine Vielfalt bauen, die auf der Bühne später die Zuschauer begeistert, in Kleinmachnow, wo die Gemeinde seit eineinhalb Jahren endlich den lange gewünschten Saal dafür hat, und überregional, wo die Musicals für immense Begeisterung sorgen.