Willkommen in Kleinmachnow
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Tomate im Salat als Haar in der Suppe

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Musiker
Marcus Waibel
Telefon:03 32 03/73 01 50
Website:www.ww-studios.de

Mit Lou Reed im Restaurant

Stand: November 2018

Was für den einen das Haar in der Suppe ist, kann für den anderen die Tomate im Salat darstellen!

Jedenfalls war das kleine gut gemeinte Farbtüpferchen in den grünen Blättchen ein Grund, dass Rockstar Lou Reed regelrecht ausrastete. „Das passierte damals in einem New Yorker Restaurant. Ansonsten war er aber weniger cholerisch, als man ihn von der Bühne her kennt“, erinnert sich Marcus Waibel.
„Er war zuletzt Vegetarier und trank keinen Alkohol mehr.”
Der Kleinmachnower hat damals eng mit dem von „The Velvet Underground“ bekannten Star zusammen­gearbeitet. Die Band war 1965 auf Initiative von Popart-Ikone Andy Warhol entstanden.
Lou Reed und John Cale waren die Köpfe der Gruppe, zu der Sterling Morrison und Maureen Tucker als weitere Mitglieder gehörten. Die erste Platte hieß „The Velvet Underground & Nico“, weil darauf „Nico” mit zu hören war. Reed war damals mit ihr liiert. Die Sängerin war unter ihrem „richtigen Namen” Christa Päffgen als erstes deutsches Super­model bekannt.

Eklat bei 3Sat-Interview
Obwohl die Rockgruppe heute immer noch als die einflussreichste Undergroundband aller Zeiten gilt, aus der sich später Independent und Punk entwickelten, wollte Lou Reed nicht mehr auf „Nico” angesprochen werden: „Als das 3Sat-Team bei einem Interview trotzdem nachbohrte, ist er aufgesprungen und hat die Kamera zertrümmert“, erinnert sich Marcus Waibel.

Musiker macht Videos
Das hat Marcus Waibel übrigens besonders leid getan. Denn neben Plattenaufnahmen macht er für die Bands und Musiker, wo er selbst mitspielt oder die er betreut, vielfach die dazugehörigen Videos.
Diese entstehen oft im gemieteten Eigenheim in Kleinmachnow, ungewöhnlicherweise mit zwei digitalen Spiegel­reflexkameras anstatt mit Videoausrüstung. „Manches mache ich sogar mit dem Smartphone“, gibt der jugend­liche 57-Jährige Einblick.

Wunderkind vom Bodensee
Bei Marcus Waibel ist eben alles ein wenig anders, als man es sonst so kennt. Er stammt aus Tettnang, das idyllisch nahe dem Bodensee liegt.
Die Stadt besticht durch eine märchenhafte Lage und hat gleich „drei Schlösser aus unterschiedlichen Epochen“, wie Marcus Waibel nicht ohne Stolz erzählt. Er hatte durch die Großmutter, die Pianistin und Sängerin war sowie durch seine musikbegeisterte Mutter die Liebe zur leichten Muse geerbt. Er nahm Unterricht an der Musikschule im nahen Ravensburg. Der hat offenbar so gut angeschlagen, dass er dort im zarten Alter von 18 Jahren jüngster Dozent wurde. Während andere oft jahrelang um einen Studienplatz an einer renommierten Musikhochschule kämpfen, konnte er als „Wunderkind an den Tasten“ an mehreren Hochschulen überzeugen: „Die Prüfung in Berlin machte ich aus einer spontanen Laune heraus ohne richtig vorbereitet zu sein. Ich war total überrascht, dass ich bestand! So konnte ich die Ferien genießen während in Hamburg gerade in dieser Zeit Prüfungen gewesen wären“, zeigt Tasten­virtuose Waibel seinen Sinn fürs Praktische, den er bereits mit 19 Jahren hatte.

Der Zeit voraus?
Entsprechend dem eigenen Wohnort in der Graefestraße in Kreuzberg nannte er seine erste Band „Graefe 26“. Der große Erfolg blieb aber aus. „Wir waren unserer Zeit einfach zu weit voraus. Wir machten Pop mit Jazz-Elementen, das wollte damals keiner hören. Heute wären wir damit sicher erfolgreich“, blickt Marcus Waibel zurück.
Damals war er zudem mit Robby Bauer im Studio um eine Platte aufzunehmen. Dieser wurde mit der ersten deutschen Teenie-Band „The Teens“ nach ihrer Entdeckung in einer Fernsehshow von Wim Thoelke über Nacht zum Chartstürmer. Die Boygroup hatte ihre Wurzeln in einer Berliner Schülerband. Sie schaffte den Rekordumsatz von fünf Millionen Platten.

Mit Grace Jones um die Häuser
Marcus Waibel war in verschiedenen Formationen mit aktiv und entwickelte gleichzeitig ein Faible für die Musikproduktion.
„Irgendwie wurde die Technik bei mir zuhause immer umfangreicher, so dass ich in meiner nächsten Wohnung in der Kurfürstenstraße allmählich ein richtiges Tonstudio hatte“, sinniert er. Doch Ehefrau Annette Waibel-Butzin hatte einen Traum: „Sie wollte raus ins Grüne oder zumindest einen Balkon haben!“ Dieser Traum ließ sich im grünen Kleinmachnow perfekt realisieren.
Zuvor aber war Marcus Waibel zu dem Projekt „Zeitkratzer“ gestoßen, das sich auf experimentelle Musik unterschiedlichster Art konzentrierte. Sie brachten in einer Transkription von Ulrich Krieger „Metal Machine Music” von und mit Lou Reed auf die Bühne.
Marcus Waibel war im Wesentlichen für die Produktion und die CDs zuständig.
„Die eigentliche Premiere war im Opernhaus von Venedig. Damals waren viele prominente Stars mit dabei. Ich erinnere mich noch, mit Grace Jones anschließend mit einer Flasche Wein um die Häuser gezogen zu sein“, schmunzelt Marcus Waibel.

Hits für Afrika
Durch ihn ist Kleinmachnow jetzt ein gefragter Anziehungspunkt herausragender Musiker geworden, was aber so noch kaum jemandem aufgefallen ist. Dazu gehört Carlo Domeniconi. Er gilt als einer der weltweit wichtigsten Schöpfer von zeitgenössischer Gitarrenmusik. Waibel produziert alle seine Platten. Er blickt mittlerweile auf immense 200 CDs zurück, die seine Handschrift tragen.
Mit einer davon ist er in Afrika dauerhaft in den Charts. Es handelt sich um die Platte von „Dazaa Dazaa & The Springwater“, die Rock aus den 1970-er Jahren mit Igbo-Einflüssen verbindet, wie man sie von Bob Marley kennt. 2018 trat die Gruppe beim „Africa Festival“ in Potsdam auf. „Die Aufnahmen haben in Nigeria so eingeschlagen, dass Dazaa Dazaa zum ehrenamtlichen Kultur­botschafter seines Landes für Deutschland ernannt wurde“, freut sich Marcus Waibel für seinen Freund. Dazu trug mit bei, dass der Musiker in Nigeria einen afrikanischen „Karneval der Kulturen“ ins Leben gerufen hat, wie er ihn aus Berlin kannte.

Für alle was auf die Ohren!
Ebenso gerne kommt Ernesto Rodriguez: „Er war in Kuba ein Superstar, hat dann in Venezuela eine große Karriere gemacht und lebt hier in der Region.“ Die Verbindung von Freude an Musik, Tontechnik und Bildern machte das Fernsehen auf den Kleinmachnower aufmerksam. So ist es vielfach das Werk von Marcus Waibel, wenn wir Stars wie Popsänger Sasha oder Bands wie Tocotronic in astreiner Qualität in TV und Radio genießen können: „Ich bin als Tonmeister und Sounddesigner beim ‚rbb‘ und für die Deutsche Welle tätig“, verrät Waibel. Lange Zeit komponierte er die Musik für Tanzgruppen wie die „Toladá Dance Company” von Joseph Tmim.
Und was macht so ein viel­beschäftiger Künstler wenn er mal Freizeit hat? „Dann setze ich mich an den Flügel und spiele vor mich hin!“
Das erfolgt dann sehr zur Freude von Labrador-Mischling Oskar, den die Familie aus dem Tierheim gerettet hat: „Er war anfangs ziemlich aggressiv und bellt immer noch sehr gern. Doch sobald er Musik hört, ist er total beruhigt und derart still, dass ich sogar ungestört Aufnahmen machen kann.“ Wenn das kein Beweis für die positive Wirkung von Musik ist!