Willkommen in Kleinmachnow
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Mit Terence Hill als Trauzeuge: Schauspielerin Anne Kasprik offenbart ihr Leben

Schauspielerin und Buchautorin
Anne Kasprik
E-Mail:scadfilm@gmx.de

Ich aus dem Osten

Stand: November 2019

Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Erinnert sich heute noch jemand daran, wie es vorher in der DDR war? Wer in Kleinmachnow wohnt, sollte unbedingt „Ich aus dem Osten“ lesen und damit die Zeit aus der Sicht einer bekannten Film- und Kinoschauspielerin aus Kleinmachnow erleben, die heute noch hier lebt.

Anne Kasprik ist vielen aus Krimis wie dem „Polizeiruf“, „Soko“, „Tatort“ und anderen Fernsehproduktionen gut bekannt.
Sie war mit „Go Trabi Go“-Star Wolfgang Stumph in dessen Serie „Stubbe“ zu sehen. Sie filmte mit Hildegard Knef, drehte mit Vadim Glowna. In dessen Film „Eines Tages irgendwann“ von 1990 war sie sogar Hauptdarstellerin. Und sie ist „die einzige Frau, die Terence Hill in einem Film küssen durfte“!

Glanz und Gloria
Die Kleinmachnowerin ist mit Film und Fernsehen von klein an aufgewachsen und berichtet darüber in ihrem Buch.
Sie ist die Tochter von Regisseur Hans-Joachim Kasprzik und seiner Ehefrau Jutta Hartung. Er wurde 1985 durch die opulente sechsteilige DEFA-Verfilmung von „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ weithin bekannt. Die Serie erlangte Kultstatus in der DDR und wurde zum „Straßen­feger“. Weil er Töchterchen Anne für zu jung hielt, durfte sie darin „nur“ die Rolle der „Gräfin Dönhoff“ übernehmen, was sie wohl sichtbar ärgerte.
Anne Kasprik schildert, wie sie in die Weinberg-Schule ging, nie hitzefrei bekam weil das Haus so solide gebaut ist. Sie lässt schauern, wenn sie erzählt, dass sie nur einen Flug vor der Unglücksmaschine in Schönefeld eintraf, bei deren Absturz am 14. August 1972 alle 156 Insassen ums Leben kamen. Sie berichtet, wie sie als junge Studentin in Moskau Robert de Niro kennenlernte oder dass sie in der Schauspielgruppe zusammen mit mit Leander Haußmann und Karsten Speck studierte.
Offenbar war das Studium mehr als spannend: Zumindest so, dass sie lange nicht merkte, schwanger zu sein.

Terence Hill und Bud Spencer
Wir bekommen mit Anne Kasprik einen hochinteressanten Blick hinter die Kulissen des DDR-Fernsehens und treffen auf viele Prominente aus Ost und West.
So berichtet sie freimütig, wie sie von Terence Hill ohne jegliches Casting vor allem wegen ihrer attraktiven Beine für den letzten Italo-Western „Die Troublemaker“, den Hill und Bud Spencer 1994 produzierten, engagiert worden war.
Damals entschied sie sich, ihre große Liebe, den Kameramann und Regisseur Oren Schmuckler, am Rande der Dreharbeiten im fernen New Mexico zu heiraten. Leider schied Bud Spencer als Trauzeuge aus, weil er sich beim Friseur verletzte. „Er riss mit seinem Körper­gewicht erst das Wasch­becken aus der Verankerung, dann brach der Friseurstuhl zusammen“, erinnert sich die Schauspielerin, warum sie mit „Terence Hill vorlieb nehmen mussten“.

Zuhause bei Billy Wilder
Wenig später ging ein Wunschtraum in Erfüllung, als sie den von ihr überaus verehrten Billy Wilder in Hollywood besuchen konnte. Dessen Klassiker „Manche mögen’s heiß“ nennt sie schließlich als ihren absoluten Lieblingsfilm. „Als wir beim Essen waren, stießen wir im Restaurant auf Francis Ford Coppola“, nennt sie gleich noch ein Erlebnis.

Frisch und ehrlich
Mit „Ich aus dem Osten“ beleuchtet die 56-Jährige überraschend frisch und bodenständig zwei Welten, die sich zusammengefunden haben, gerade in Kleinmachnow, dem ehemaligen Grenzort. „Das Buch kam zustande, weil der Eulenspiegel-Verlag auf mich zugekommen ist. Es dauerte einige Zeit bis ich mich dazu überreden ließ, schließlich habe ich auf diesem Gebiet keine Erfahrung“, blickt sie heute zurück.
Doch offenbar hat Anne Kasprik Freude am neuen Metier gefunden: „Vielleicht kommt als nächstes ‚Ich im Nahen Osten‘ auf den Markt“, schmunzelt sie.
Schließlich hat sie dahin durch ihren Mann Oren Schmuckler familiäre Bezüge, da dieser in Tel Aviv wohnte.
„Da hatten wir den früheren Ministerpräsidenten Ehud Olmert und seinen Nachfolger Benjamin Netanjahu als Nachbarn“, verblüfft sie. Oder, wie wäre es mit einem Einblick in die westdeutsche Fernsehgeschichte?
Schließlich war Schwiegervater Alon Schmuckler prägend fürs heutige Fernsehen: „Er hat mit Klimbim die erste moderne Comedy-Show mit ins Leben gerufen“, ist Anne Kasprik zu Recht stolz.