Mit Insider-Tipps Ganoven aussperren
Sicherheitsberater | |
Jürgen Glindemann | |
Telefon: | 03 32 03/32 42 30 |
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Allein mit 32 Frauen!
Stand: November 2018
Wer „nein“ sagt, lebt besser. Davon ist ein Rentner aus Kleinmachnow fest überzeugt. Jetzt will er mit diesem „Rezept“ Senioren vor Kriminalität schützen.
„In der schweren Nachkriegszeit war es ungemein wichtig, dass man sich gegenseitig
geholfen hat. Dieser Hang zu Solidarität und Höflichkeit wird heute vielen Senioren zum Verhängnis“, weiß Jürgen Glindemann.
Prickelnde Umgebung
Der frühere Elektronik-Ingenieur kämpft deshalb vehement für den Mut zum „Nein!“. Das macht er manchmal in durchaus prickelnder Umgebung: „Mein erster Auftritt war im ‚Frauentreff am Düppel‘. Da war ich der einzige Mann, 32 Frauen hingen
gebannt an meinen Lippen“, schmunzelt er. In nur kurzer Zeit hat er schon acht Vorträge gehalten. Er informierte im Kreis der AWO, bei der Diabetiker-Selbsthilfe, im Seniorenverband, bei der Akademie 2. Lebenshälfte und in der Begegnungsstätte in Stahnsdorf. „Viele weitere Termine sind bereits vorgemerkt.“
Enkel-Trick und Kaffeefahrt
Dabei geht es um unterschiedliche Gefahren. „Obwohl viel darüber geschrieben wird,
fallen immer noch Senioren auf den Enkel-Trick herein. Da ruft jemand an und meint: ‚Hallo, kennst du mich noch?’ Wenn die überraschte Seniorin dann den Namen eines Verwandten nennt, hat der Anrufer schon fast gewonnen”, beschreibt Jürgen Glindemann diese Masche. „Ganz neu ist der Kripo-Trick hinzugekommen, wo sich der Anrufer als Polizist ausgibt“, nennt er eine weitere kriminelle
Erscheinung.
„Es ist aber schon erstaunlich, dass selbst die gute alte
Kaffeefahrt noch zieht und sich Senioren dabei oft vierstellige Beträge für unnütze und überteuerte Gegenstände abnehmen lassen“, wundert sich der 74-Jährige.
Tricks am Telefon
Ziemlich neu hingegen ist, dass Senioren dubiose vermeintlich günstige Arzneimittel online angeboten werden. „Nach wie vor werden viele durch Werbeanrufe zu Verträgen gedrängt, obwohl dies
verboten ist. Haustürgeschäfte sind ebenfalls immer noch ‚in‘. Sehr gefährlich kann es
werden, wenn falsche Handwerker ihre Dienste anbieten. Sind sie erst mal im Haus,
bedrängen sie ihre Opfer oft sehr massiv, um große Summen Bargeld zu erpressen. Sehr durchtrieben ist der Rückruf-Trick. Da gibt es
einen kurzen Anruf, den der Betroffene so schnell nicht abnehmen kann. Logischerweise ruft man zurück und landet in einer teuren Hotline im Ausland“, gibt Jürgen Glindemann eine längst nicht vollständige Übersicht. Um möglichst
anschaulich informieren zu können, hat er sich auf eigene Kosten einen extra Laptop und Lautsprecher zugelegt. „Ein Beamer wäre schön, aber dann müsste ich eine sperrige Leinwand mitführen.“
Einbrüche verhindert?
In seine Tätigkeit als Senior-Trainer für Fragen der Kriminalität bringt er die geballte
Erfahrung von fast 20 Jahren im „ehrenamtlichen Wachdienst“ mit. Jürgen Glindemann gehörte 1998 zu den Gründern der „Sicherheitspartner“ von Kleinmachnow und war dafür stolze 18 Jahre „auf Streife“. Er berichtet: „Mein Motiv war, die Sicherheitslage im Ort zu verbessern. Damals gab es ebenfalls sehr
viele Wohnungseinbrüche. Im
Gegensatz zu heute, wo gezielt Wertgegenstände geklaut
werden, wurden damals Häuser und Wohnungen komplett ausgeräumt.“ Ob seine Tätigkeit Erfolg hatte, weiß er nicht: „Es gibt keine Statistik für
verhinderte Einbrüche!”
So schützt man sich
Er hat durch die vielen Schulungen bei der Polizei eine Menge gelernt: „Ausschlaggebend ist, das Eindringen in Haus und Wohnungen enorm zu erschweren. Türen und Fenster müssen mit massiven Beschlägen gesichert werden. Man darf bei Abwesenheit kein Fenster angekippt lassen. Im Einbruchsfall würde die Versicherung nicht den vollen Schaden bezahlen“, informiert er. Dass eine Überwachung mit Kameras Sinn macht, weiß er aus einem Fall in Dreilinden: „Die Polizei konnte aus den Aufzeichnungen das Tatfahrzeug ermitteln. Dadurch wurden die Täter bei einer Kontrolle auf der Autobahn festgesetzt. Das Diebesgut war im Kofferraum, das Auto war ebenfalls geklaut.“
Jürgen Glindemann hat also viel zu erzählen, wenn er zum „Neinsagen“ animieren möchte. Das ist spannender als ein Krimi im Fernsehen. „Dort
ist sowieso das meiste sehr
unrealistisch“, weiß er aus der Sicht des Praktikers.